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21. November 2018

Interview

Rania Fansa (43) ist vor vier Jahren aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Heute unterrichtet sie bei Universal Transport zweimal pro Woche Englisch für Anfänger und Fortgeschrittene.

Frau Fansa, bitte erzählen Sie uns etwas zu Ihrer Person und Ihrem Werdegang.

Meine Heimatstadt ist Aleppo in Nordsyrien. Dort habe ich 15 Jahre als Englisch-Lehrerin an einer Oberschule gearbeitet. Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges floh ich aus der umkämpften Millionenstadt nach Deutschland. Zunächst kam ich nach Saarbrücken, bis mir ein Freund von Paderborn und seinen Menschen erzählte. Das klang für mich als alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die eine friedliche Umgebung suchten, sehr spannend. Hier habe ich inzwischen nicht nur eine Wohnung und Freunde gefunden, sondern kann mittlerweile auch wieder in meinem Beruf als Lehrerin für Englisch arbeiten.

Wenn Sie die Arbeit bei UT mit ihrer Arbeit in Syrien vergleichen, welche kulturellen Unterschiede bemerken Sie?

Der Unterricht in einer Schule ist nicht so einfach mit der Arbeit mit Erwachsenen in einem Unternehmen zu vergleichen. Doch gibt es aus meiner Sicht allgemeine kulturelle Unterschiede. Die Deutschen sind in der Regel sehr zielstrebig, verantwortungsbewusst und stellen oft ihre Arbeit in den Lebensmittelpunkt. In meiner syrischen Heimat ist das nicht komplett anders. Aber der Prozentsatz derer, die ihre berufliche Karriere und das Einkommen in den Vordergrund rücken, liegt wahrscheinlich deutlich niedriger. Ich habe zumindest den Eindruck, dass in den südlicheren Ländern mehr das Leben mit und in der Familie im Mittelpunkt steht – unabhängig vom Geld.

Frau Fansa, Sie unterrichten Englisch bei Universal Transport, wie ist das für Sie? Wie sieht es mit der Offenheit bei UT aus?

Was mir von Anfang an aufgefallen ist, ist die hohe kulturelle Akzeptanz bei Universal Transport. Das Anderssein wird hier nicht nur respektiert, sondern auf eine positive Art und Weise gesehen. Zum Beispiel trage ich aus religiösen Gründen immer ein Kopftuch. Das war hier nie ein Problem. Ich wurde von allen so akzeptiert, wie ich bin. Dieser Unterschied war auch nie etwas Trennendes, sondern gab im Unterricht vielmehr Anlass zu Fragen über meine Heimat oder zur Stellung der Frau. Überhaupt sind Gespräche über Alltagssituationen – immer auf Englisch – zwar ein kleiner, aber wichtiger Teil unseres Unterrichts. Im Fortgeschrittenenkurs wird der Schwerpunkt auf das Business-Englisch gesetzt.

Eine kurze Frage noch: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Langfristige Pläne sind angesichts der Lage in meiner Heimat schwierig. Dort habe ich alles zurücklassen müssen: mein Haus, meine Freunde und zunächst auch meine Familie. Jetzt sind meine beiden Kinder glücklicherweise bei mir. Daher wünsche ich mir, dass sie hier zunächst eine gute Ausbildung bekommen und in Frieden leben können. Was später kommt, werden wir sehen.

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