17.11.08 - UT schafft das Adrenalin ab
Ein Transporterlebnis unter dem Motto: "Die Polizei, Dein Freund und Helfer"
Mit den Transporten der ersten acht von 96 Spannbetonbindern begann am 09. Oktober nach 8 wöchiger Vorbereitungszeit unseres Kollegen Karsten Hillebrand und seinem Team in der Paderborner Disposition ein ganz besonderes Transportprojekt. Doch dazu später ...
Die Betonbinder mit einer Länge von 40 Meter und einem Gewicht von 50 Tonnen sind für den Neubau einer Lagerhalle im 200 Kilometer entfernten Kempen, nahe Mönchengladbach, bestimmt.
Gleich am ersten Tag waren acht Fahrzeuge von unserem Auftraggeber BREMERBAU in Paderborn in unterschiedlichen Nachläufer- kombinationen, wie z.B. unsere 4 achs MAN-Zugmaschine mit 2 oder 3 achs Zwischendolly und wahlweise 4- oder 5- achs Nach- läufer unterwegs.
Insgesamt hatten die Fahrzeuge eine Länge von 50 Meter, eine Breite von 2,55 Meter und eine Höhe von 4,00 Meter. Jedes Fahrzeug wog 90,0 Tonnen.
Innerhalb von nur 10 Wochen konnte das Projekt reibungslos bewältigt werden. Durchschnittlich waren wir pro Woche mit 8 Fahrzeugen täglich unterwegs.
Jedoch der letzte Transporttag sollte es in sich haben und schrieb eine kleine Anekdote unter dem Motto: "Die Polizei, Dein Freund und Helfer"
Am 17. November hatte sich unser Kollege zum krönenden Abschluss überlegt, einen der letzten Transporte zu begleiten und bei einem unserer Schwerlastfahrzeugen mitzufahren. So wurden, wie in der Vergangenheit auch, gegen 17:00 Uhr noch insgesamt elf Fahrzeuge verladen, bevor gegen 22:00 Uhr die ersten Fahrzeuge im Convoi in Richtung Kempen fuhren. Die verbleibenden Spannbetonbinder wurden nach ihrer Fertigung bereits schon Wochen vorher paarweise beim Auftraggeber in der Nähe, bzw. gegenüber dem uns bekannten Verladeplatzes zum Aushärten ausgelagert.
Dieses Procedere war aus Platzmangel nötig, da zum paarweise Auslagern und Verladen der Binder stets eine einzelne Nachläufer- kombination bereitgestellt werden musste, damit der Autokran einen entsprechenden Radius für die Verladung zur Verfügung hatte.
Lt. der vorliegenden Transportgenehmigungen musste auf der kompletten Strecke die Polizei den Transport begleiten, also vom Abgangsort bis zur Baustelle in Kempen.
Wie auch an diesem Abend trafen direkt nach der Beladung unserer elf Fahrzeuge die Polizeibeamten aus Paderborn ein, die darauf hin den Convoi verkehrssicher abgenommen hatten. Wie auch an diesem Abend selbstverständlich ohne jegliche Beanstandungen.
Gegen 22:00 Uhr erwarteten alle Fahrer zusammen mit Herrn Hillebrand die Fahrzeuge der Autobahnpolizei, die den Transport begleiten. An diesem Abend stellte sich jedoch heraus, dass lt. Vorgabe der Beamten nur im 2er Konvoi gefahren werden durfte. An den Abenden vorher jedoch im 4er Konvoi.
Jeder kann sich nun vorstellen, wie lange es dauert, bis der letzte Transport von der Polizei beim Auftraggeber abgeholt wurde.
Bei s.g. normalen Schwertransporten begleitet die Polizei immer nur bis zur Autobahnauffahrt, da aber in diesem Fall auf der gesamten Strecke eine Polizeibegleitung erforderlich war, hat jene unsere Fahrzeuge nur bis Dortmund gebracht. Hier wurden die LKW von der örtlichen Autobahnpolizei übernommen.
Nach ca. 1 Stunde kann der Polizeibeamte wieder einen weiteren LKW beim Auftraggeber abholen und so gehen pro Konvoi schnell 2 - 3 Stunden ins Land.
Wenn man dabei zurückblickt und sich vorstellt, dass an diesem Abend durch die Veränderung 5 Konvois und eine Einzelfahrt beim Auftraggeber stehen, weiß man, wie lange diese Begleitung aller Fahrzeuge unter Berücksichtigung der ges. Fahrtzeitbeschränkung von 22:00 Uhr bis 06:00 Uhr dauert.
So wurde also geplant, die ersten beiden LKW um 22:00 Uhr abzuholen und die darauf folgenden je 2 Stunden später. Doch jeder, der halbwegs eine VIER in Mathe geschafft hat, kann sich ausrechnen, dass diese Transporte unter dieser Vorgabe nicht zu bewältigen sind.
Herr Hillebrand und unser Begleiter Herr Hammes konnte darauf hin an Ort und Stelle im ersten Schritt die zuständige Polizei davon überzeugen, dass eine zusätzliche Polizeibegleitung die Transportabwicklung durchaus beschleunigt.
Dieses Vorhaben wurde sofort umgesetzt, doch dennoch schien der Zeitplan in Gefahr zu laufen.
Um 1:00 Uhr haben wir einen Anruf von unserem BF3- Begleitfahrzeug erhalten, dass der letzte Konvoi und die Einzelfahrt lt. Anweisung der Polizei Oberhausen, zusammen erfolgen sollten.
Kleine Felsbrocken fallen uns in diesem Moment vom Herzen und jeder dachte sich, dass die Transporte pünktlich ankommen werden.
Gegen 03:00 Uhr holte die Polizei den letzten Konvoi ab, jedoch wusste diese nichts von der neuen Situation aus Oberhausen und wollte lediglich nur einen 2er Konvoi begleiten, sodass das letzte Fahrzeug mit unserem Troubleshooter Karsten Hillebrand vorerst stehen bleiben musste.
Die Zeit wurde knapp.
Gegen 04:00 Uhr wurde glücklicherweise unser letzter LKW von der Polizei abgeholt beim Auftraggeber abgeholt. Alles klappte nun endlich reibungslos.
Jedoch nur bis zur Übergabe von der Autobahnpolizei Recklinghausen, die von den Kollegen aus Oberhausen abgelöst werden sollten. Doch diese kamen nicht mehr. Herr Hillebrand und unser Fahrer Eckard Kraft staunten nicht schlecht und dachten sich, dass Freund und Helfer bestimmt bald kämen.
Über CB- Funk kam eine Information vom vorletzten Konvoi, dass sie auf einen gewissen Rastplatz hätten fahren müssen, jedoch kam diese Anweisung nicht an. Von weitem hörten sie endlich die Sirenen der lang herbei gesehnten Polizeifahrzeuge, die den Weg zum nächst gelegenen Rastplatz freimachten.
Mittlerweile war es 05:55 Uhr in der Früh. 5 Minuten vor Fahrverbot. Die letzten drei Fahrzeuge konnten leider nicht mehr pünktlich auf die Baustelle kommen.
Karsten Hillebrand und unsere Kollegen können nun in der Disposition unsere Fahrer etwas besser verstehen, wenn sie sich im Pausenraum über Probleme unterhalten. Am nächsten Morgen beim Kaffee erzählte er uns diese Erlebnisse und sagte, dass er derartiges nicht noch einmal brauche und alle Trucker bewundert, die fast jeden Abend dieses und vieles andere erleben und dabei ruhig und gelassen bleiben, während sich diverse Adrenalinschübe durch die "diesel"-gefüllten Adern zwängen.
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